Hilfe zu erwünschten u. notwendigen Angaben für eine erfolgreiche Pilzbestimmung

Wir sind ja leider nicht gemeinsam im Wald unterwegs, können uns hier keine Säckchen mit Proben zukommen lassen, wir sind hier auf Bilder und Beschreibungen angewiesen.


Um eine Bestimmung im Internet überhaupt erst möglich zu machen, sollten zum Einen die Bilder gewissen Kriterien entsprechen. Einige möchte ich hier auflisten:


  • Ausreichende Größe - längere Seite zw. 800 - 900 Pixel
  • Der Pilz sollte scharf sein, nicht die Umgebung!
  • Nicht nur ein Bild, mehrere Bilder aus verschiedenen Perspektiven sind gefragt.
  • Pilzteile die zu sehen sein sollen: Hut, Hutunterseite und Stiel, Stielbasis, Querschnitt


Aber da oft selbst die besten Bilder keinen eindeutigen Bestimmungsversuch zulassen, sind auch einige Beschreibungen und weitere Informationen notwendig:


  • Größe (Pilz selbst, Hutdurchmesser, Stiellänge, ...)
  • Beschaffenheit der Teile (Hut, Lamellen od. Röhren, Stiel)
  • Farbe und Farbänderungen bei Berührung, Verletzung oder Anschnitt, Farbe der Sporen (sogar im Wald manchmal unter dem Pilz zu sehen)
  • Geruch (Warnung vor Geschmacksproben!)
  • Standort (Substrat - worauf wächst der Pilz?), welche Mykorrhiza-Partner (welche benachbarten Bäume), und Beschaffenheit des Standortes (zB Helligkeit, Waldrand, ...)
  • Substrat, worauf wächst der Pilz - Beschaffenheit (sauer oder basisch, sandig oder kalkig, ....)


Nicht nur die Bilder direkt vom Fundort und die Bestimmungen der vergänglicheren Merkmale (zB Ring) sind wichtig, die genauere Beschreibung kann in Ruhe zu Hause erfolgen, für eventuelle Nachfragen, weiterführende Informationen und aussagekräftigere Bilder sind die Fruchtkörper wichtig.


Bei einigen Pilzen wird es trotz vieler genauer Angaben ohne chemische Reaktionsversuche oder mikroskopische Untersuchungen nicht möglich sein, eine exakte Bestimmung im Internet zu machen.


Dies soll ein kleiner Leitfaden zur richtigen Präsentation der Pilze sein, für Ergänzungen bin ich dankbar.


Viel Spaß im österreichischen Pilzforum, liebe Grüße, Jürgen

Kommentare 2

  • 2. wichtiger Kommentar von Gerd:



    Hallo zusammen,


    ich zitiere einmal [1], der ein paar bestimmungsrelevante Merkmale für Milchlinge bringt:


    Im Wald: Milchlinge sind Mykorrhiza Pilze, daher sich den Standort und die Begleitflora (Bäume) merken. Pilze verschiedenen Alters mitnehmen und sorgfältig nach Hause transportieren.


    Hut: Da die Struktur und die Farbe der Hutoberfläche wichtig ist, sind vernässte Pilze nicht gut zu be-stimmen; bei nassem Wetter können auch trockene Milchlinge etwas schleimig werden. Daher bei trockenem Wetter sammeln oder die Pilze trocknen lassen (ein paar Stunden bis einen Tag). Bei sehr trockenem Wetter hingegen ein Exemplar mit dem Hut nach unten etwas wässern, um die Huthaut besser beurteilen zu können.


    Milch: sehr wichtiges Bestimmungsmerkmal! Pilze ohne Milch können nicht geschlüsselt werden. Am Fleisch und an verletzten Lamellen Farbe der frischen und trocknenden Milch beobachten, sowie Milch auf weisses Papier tropfen (im Wald z.B. auf den Fingernagel) und eventuelle Veränderung be-obachten. Die Schärfe wird in der Regel immer an der Milch gemessen. Das Fleisch sonst scharfer Milchlinge ohne Milch ist mild!


    Sporenpulver: ist bei den Milchlingen nicht von der gleichen Bedeutung wie bei den Täublingen. Aber es erleichtert das Mikroskopieren der Sporen, die dann nicht vom Milchsaft verschleiert werden. Sporen: die Sporenornamente sind bei den Milchlingen amyloid; Sporen also immer mit Melzer Rea-gens betrachten.


    Zystiden und Hutdeckschicht: diese Elemente sind nicht derart wichtig wie bei den Täublingen. Bei diversen Arten jedoch helfen sie bei der Bestimmung. Die Interpretierung dieser Merkmale ist aller-dings oft schwierig, in den Büchern sieht das oft sehr einfach und eindeutig aus! Die Milch ist beim Mikroskopieren meist ein Hindernis, vor allem bei der HDS; die ölige Flüssigkeit trübt das Präparat. Abhilfe: mehreres Ausschwemmen oder kleine, zu untersuchende Stücke zuerst trocknen. Auch bei den vorliegenden Werken sind sich die Autoren manchmal nicht ganz einig. Hat man eine Art be-stimmt, die im anderen Buch nicht den gleichen Namen hat, muss man eben die Bestimmung mit ss, (im Sinne von..) angeben, z.B. ss. Basso. Auch bei den Milchlingen gibt es Sektionen, die aufgrund ihrer geringen Unterschiede kaum eindeutig zu Schlüsseln sind, hier muss eben Art für Art miteinander verglichen werden.


    Grüße

    Gerd


    Literatur:


    [1] Die Gattung Lactarius (Milchlinge), (übersetzt von Markus Wilhelm)


    - Übersetzt werden die Schlüssel der aktuellsten Lactarius-Monografien:


    (1) Maria Teresa Basso (Fungi Europei 7)


    (2) J. Heilmann Clausen, A. Verbeken & J. Vesterholt (Funghi of northern Europe Vol. 2)

  • Wichtiger Kommentar von Gerd:


    (1) Ja, wenn bei allen Anfragen die in diesem „kleinen“ Leitfaden erwähnten Infos mitgeliefert würden, dann würde das eine belastbare Fundbewertung bereits erheblich vereinfachen. Wichtig auch dein erster Kommentar, den ich etwas umformuliere:


    (a) Ein Großteil der Pilzarten lässt sich auch bei noch so guten/ausführlichen makroskopischen Zusatzinfos ohne Blick in's "Scharfe Auge" (Mikroskop) nicht sicher bestimmen.


    (b) Und wer eine sichere Bestimmung erwartet, sollte deshalb von seinem Fund ein "Trockenexemplar" (Exsikkat) anfertigen und/oder Frischmaterial zwecks mikroskopischer Überprüfung bereitstellen.


    (2) Ein grundsätzliches Problem ist, dass leider viele „Neulinge“ mangels „fehlender Merkmalskenntnissen“ bei einer Bestimmungsanfrage nicht in der Lage sind außer einem (oft detaillosem) Bild weitere von dir gelistete Infos zu liefern.


    - Schade: Denn jede Zusatzinfo (deskriptiv oder in einem Bild gezeigt) erhöht die Chance, dass der Fund korrekt bestimmt wird.


    - Macht nix: Denn wenn der „Neuling“ keine „Eintagsfliege“ ist und bei der Stange bleibt, werden wir ihm effektiv helfen, seine Merkmalskenntnisse zu erweitern.


    (3) Die von dir angegebenen Merkmale sind für eine „belastbare“ Bestimmung nützlich/oft sogar unverzichtbar, aber keineswegs vollständig:


    (a) Bei vielen Gattungen müssen ganz spezifische Merkmale bereits im Feld festgehalten werden, da sie daheim oder nach Bild nicht mehr sicher überprüfbar sind.


    ---> Nur als Beispiel: Bei "Risspilzen" sollte man den Stiel schonend behandeln, bei Saftlingen muss man bereits im Feld den Lamellenansatz beurteilen und natürlich muss man bei allen Gattungen leicht vergänglich Merkmale (z.B. Bereifung) bereits im Feld beurteilen und festhalten.


    (b) Als weiteres Beispiel erwähne ich die Gattung ("Russula" = Täublinge), deren Arten man bereits als Anfänger recht leicht der Gattung "Russula" zuordnen kann. Doch nur nach Bild kann man m.E. nur sehr wenige Arten dieser Gattung bestimmen.


    Grüße

    Gerd