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letzter Beitrag von Felix ()

Pilze Deutschlands von J. Guthmann und Dr. Christoph Hahn (Tricholomopsis)

  • Unter dem Titel „Die Pilze Deutschlands“ von J. Gutmann und Ch. Hahn ist die 2. Auflage des „Taschenlexikons der Pilze Deutschlands“ erschienen. Allerdings ist ein Co-Autor der Vorauflage – R. Reichel – nur mehr als Bildautor mit von der Partie.

    Nachdem ich die erste Auflage für meine Pilzberater (BMG)- bzw. PSV(DGfM)-Prüfungen vielleicht fünf Mal gelesen hatte, habe ich mich natürlich gefragt, ob ich mir eine zweite leisten sollte. Um es gleich vorwegzunehmen: Ja. Unbedingt!

    Im Taschenlexikon bestand die Einführung gerade mal aus 11 unbebilderten Seiten. Daraus sind jetzt 30 geworden mit Bildern, die den Text anschaulich unterstützen. Es wird erklärt, was ein Pilz überhaupt ist, wie man ihn bestimmt, was die wichtigsten Bestimmungs­merkmale sind und wie diese aussehen. Besonders beeindruckt war ich, wie es den Autoren gelungen ist, das klassische Velumkonzept mit dem von Clémençon auf einfache Weise unter einen Hut zu bringen. Diese Hüllen erleichtern ja in vielen Fällen Pilze bestimmten Gattungen zuzuordnen. Das Erkennen und die Interpretation von Teil- und Gesamthülle machen so einen wichtigen Baustein in der Pilzbestimmung aus. Ebenso wichtig sind die Art der Fruchtschicht, insbesondere Form und Ansatz der Lamellen. Gerade in der Vorbereitung zur Ausbildung zur Pilzberater*in (BMG)- bzw. PSV(DGfM) ist dieser Teil des Buchs von unschätzbarem Wert.

    Regeln für Speisepilzsammler, Verhalten bei Vergiftungen und eine Erklärung und Anleitung zur Verwendung von Bestimmungsschlüsseln schließen die Einführung ab.

    Weitere 63 neu hinzugekommene Seiten sind für einen Gattungsschlüssel für europäische Lamellen- und Röhrenpilze reserviert, der ohne nur mit dem Mikroskop erkennbare Merkmale auskommt, also ein sog. Makro-Schlüssel.

    Im Hauptteil werden anhand von ca. 150 Arten die wichtigsten Gattungen vorgestellt. Zu jeder Gattung werden deren Hauptmerkmale vorangestellt. Es folgt dann in der Regel ein typischer Vertreter dieser Gattung mit genauer Beschreibung, Vorkommen und Verwechslungsmöglichkeiten, kulinarischer Verwendung und Bemerkungen. Bei Letzteren sind oft chemische Bestandteile des Pilzes, z.T. mit Strukturformeln, genannt wie man es kaum in einem anderen Buch dieser Art findet. Es werden die neuesten Namen gebraucht, wodurch - gerade z. B. bei der neu aufgegliederten Gattung der Dickröhrlinge - viele Arten mit ihren neuen Namen dargestellt sind. Das eine oder andere mag diskutabel sein. Probleme hatte ich mit ein paar Punkten, um nur einige Beispiele zu nennen: der Familie Favolaschiaceae statt Mycenaceae, Prunulus für einige der Rettichhelmlinge (Prunulus roseus), Sarcomyxa serotina bei Typhulaceae statt bei Mycenaceae. Das konnte ich in der aktuellen Literatur wie z. B. Læssøe & Petersen’s Fungi of Temperate Europe, Catalogue of Life u.a. nicht nachvollziehen. Aber da ist ohnehin viel im Fluss und es gibt da in verschiedenen Schulen auch unterschiedliche Meinungen.

    Der Anhang besteht aus einem Glossar, einem Literaturverzeichnis, je einem Register mit englischen und französischen Pilznamen, einer Tabelle mit Inhaltsstoffen von Pilzen, Bezugsquellenverzeichnis und ein mehrsprachiges Register.

    Dem Lektor sind nur wenige Fehler entgangen. So ist auf S. 38 von einem Autorentrio die Rede, was sich wohl auf die Vorauflage bezieht. Auch die Trennung Wiese-negerling (S.16) ist mehr ein witziges Versehen als ein rassistisches Problem. Vom Verlag hätte man sich bei dem Preis (34,95 €) vielleicht eine etwas bessere Druckqualität gewünscht, was das eine oder andere Detail noch besser erkennbar gemacht hätte.

    Fazit: Die wenigen Kritikpunkte sind Jammern auf extrem hohen Niveau. Dieses Werk ist ein absolutes Muss für ambitionierte Amateurmykologen und Personen, die sich auf Pilzberater (BMG)- bzw. PSV(DGfM)-Prüfungen vorbereiten. Aber auch für jeden anderen Pilzfreund, ob Anfänger oder schon fortgeschrittener Mykologe, wird dieses Buch viele neue und wertvolle Informationen bieten.

    Bestimmungen nur nach Fotos gelten als fahrlässig und stellen keine verbindlihe Aussage bezüglich des Speisewerts dar.

  • Hallo Isarschwammerl,


    Eine Begrüßung und Abschiedsgrußformel hätte Deine gute Beschreibung und Empfehlung für dieses Buch noch positiver erscheinen lassen, aber sei's drum, ich hatte von diesem Buch auch schon von anderer Seite erfahren (in einem Nachbarforum gab es sogar eine auszugsweise Leseprobe) und mein Exemplar ist schon bestellt.


    VG Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort.

    2 Mal editiert, zuletzt von Sepp ()

  • Hallo,


    Danke für den Hinweis, ebenfalls bestellt...


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    Liebe Grüße Jürgen

    "Sorgfältig muß man wahrnehmen, daß nicht giftige P. unter die zu genießenden kommen, indem sonst der Genuß für die Gesundheit höchst nachtheilige Folgen haben, ja selbst den Tod bringen kann.", Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 137-138

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